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Puppenbühne agierte gekonnt in mehreren Genres

Freitag, 11. November 2005

Westfälisches Volksblatt
Verwirrspiel um Elisaveta
Von Tobias Stracke
Paderborn (WV). Gar ungewöhnlich war das, was gut 30 Zuschauern am Donnerstagabend in der Zentralbibliothek in Paderborn beschieden war.
Die Groteske »Elisaveta Bam« des russischen Dichters Daniil Chams hat das Puppenspieler Ehepaar Ellen Heese und Andrej N. Jonkov neu übersetzt und interpretiert, um es auf die kleine Bühne ihres »Theater en miniature« zu bringen. Chams Stück, das 1927 als Parodie auf das traditionelle Theater des vorhergegangenen Jahrhunderts gedacht l war, erwies sich mit seiner Mischung aus offensichtlichem Unsinn und anklingender Mehrdeutigkeit als nicht immer leicht zugängliches Werk.
Die Hauptfigur dieser »Die Sünderin« genannten Bühnenadaption ist die Dame Elisaveta Bam. Sie befindet sich in einer bedrängten Situation, von der der Zuschauer nur erfährt, dass es sich dabei entweder um ein von ihr begangenes Verbrechen oder um ihre Angst vor der bevorstehenden Ehe handeln könnte. Belastet mit dieser spärlichen Information nimmt das Stück seinen Lauf durch 19 Szenen. Mit jeder Szene wechseln nicht nur die Bühnenbilder und die handelnden Charaktere, es wird sich auch jedes Mal eines anderen Theatergenres bedient. Vom Melodram über die Komödie, das politische Theater bis hin zur großen Oper werden die verschiedenen Richtungen des Theaters bisweilen absurd dargestellt.
Trotz einer oft verwirrenden Handlung und nicht immer ganz nachvollziehbaren Dialogen der Akteure, was Chams beim Verfassen seines Werkes wohl auch intendierte, gelang das Puppenspiel zu einer vergnüglichen Darbietung. Dies schuldete das Stück vor allem dem hervorragendem Schauspieler Jonkov, der es nicht nur verstand, die von ihm selbst angefertigten Figuren über die Miniaturtheaterbühne zu bewegen, sondern der auch das Stück als Tontechniker, Dirigent oder Sänger zu begleiten wusste. Zudem führte er als Schauspieler und Erzähler durch die Wirrungen der Geschehnisse. Die Regie oblag Ellen Heese. Insgesamt erlebte das Publikum einen interessanten Kleinkunstabend.

Miniaturfiguren sicher bewegt

Die Sünderin

zu dem Stück

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Premiere beim „theater en miniature”

Freitag, 12. Januar 2001

Puppen Menschen & Objekte. Theaterzeitschrift VDP. 2000/1 Nr.:82
Ein junges Ehepaar mit einem Kind, Ellen Heese, seit 15 Jahren Puppenspielerin in Kassel, und Andrej Joukov, Schauspieler, erfolgreicher Absolvent der Hochschule in Jaroslavl/Russland, erweiterten ihr Repertoire mit der Premiere ihrer ersten gemeinsamen abendfüllenden Inszenierung. Ihre Wahl fiel auf die 1927 geschriebene Groteske „Elisaveta Barn” des russichen Dichters und Schriftstellers Daniil Charms, die sie unter dem deutschen Titel „Die Sünderin” für besonders geeignet hielten, um mit Schauspiel und Figurentheater eine Reise durch die verschiedenen Formen des Theaters, die sich während des vergangenen Jahrhunderts entwickelt haben, darstellen zu können. Dabei sollte ein hintergründiger und feinsinniger und manchmal auch unsinniger Humor nicht fehlen. Nun war es soweit. Wir waren eingeladen, nahmen in der dritten Reihe des kleinen Kasseler Figurentheaters Platz, betrachteten als alte Puppenspieler erstmal aus geringer Entfernung das etwa auf Schulterhöhe auf einem schmalen Podest aufgestellte Minitheater. Erinnerungen an meine Kinderzeit wurden wach an die kleinen Papiertheater, die sich Familien aus bunten Modellierbögen der Firma Gustav Kühn in Neuruppin aufbauten, die es seit dem ersten Weltkrieg und dem Beginn des Radiozeitalters leider nicht mehr gab. Wir rätselten, was es da nun wohl geben würde.
Da erscheint in festlicher Kleidung, weißem Galahemd, schwarzer Fliege und Cut sogar der Soloakteur mit einem Stapel weißer Papierblätter, anscheinend dem Konzept einer Festrede, die aus seinen Händen auf den Boden fallen. Die Zuschauer in der ersten Sitzreihe wollen zugreifen, um zu helfen, aber dazu kommt es gar nicht. Ein freundliches Danken zum Publikum, und der erste Kontakt ist hergestellt.
Er öffnet den Bühnenvorhang, baut aus großen dreidimensionalen Teilen die erste Bühnendekoration auf und nimmt die etwa 10 cm kleinen, von ihm aus Holz geschnitzten Figuren, mit beweglichen Beinen und Armen versehen, in die Hand. Sie werden zum Teil mit einem dünnen Metallstab geführt, er kann sie auch in seiner flachen Hand tanzen lassen. Im Raum des Kasseler Figurentheaters mit seinen nur 75 Plätzen sind sie nicht nur ausreichend gut zu sehen, sondern, es ist kaum zu glauben, man vermutet, fast eine Mimik zu erkennen, sobald sie bewegt werden.
Der Akteur ist nicht nur ein ausgezeichneter Puppenspieler, sondern ein Schauspieler, der sein Fach bestens beherrscht und nun sein Vorhaben beginnt, in 19 unterschiedlichen Bühnenbildern die klassischen Formen des Theaters von der Komödie über das Melodram, die Oper usw. des vergangenen Jahrhunderts humorvoll und in skurriler Komik zu demonstrieren. Darum geht es: Die Sünderin ist eigentlich gar nicht mehr so sehr der Mittelpunkt des Geschehens, sondern eher das kleine Theaterchen, das haargenau die Gegebenheiten des großen Theaters mit Beleuchtung, Kulissen und sogar einer Drehbühne zur Verfügung hat und auch nützt. Musik und Opergesang, alles von einem einzigen Akteur meisterhaft bewältigt, und die Technik kommen nicht zu kurz. Mit dieser heiter gebotenen Reise durch das Theater des vorigen Jahrhunderts wird der Beweis erbracht, daß Heiterkeit und vielleicht auch mal ein bischen Zauberei dem Publikum immer noch ein ästhetisches Vergnügen bereiten, wenn es von Könnern gemacht wird. Dies besonders in einer Zeit, zu der die heutigen Medien uns mit realistisch bezogenen Darbietungen und Meldungen überfüttern.
Aus der Resonanz dieser gelungenen Inszenierung möchte ich schließen, daß gerade besonders die vielen kleinen Theaterchen, die sich überall in unserem Lande aufgetan haben, gern zugreifen und zu sich einladen werden. Und jene Festivalveranstalter in unserem Lande, die sich Jahr für Jahr bemühen, ihrem Publikum die besten Produktionen zu bieten, werden sich um dieses „theater en miniature” bemühen müssen, wenn sie aktuell sein wollen. Wir haben die Premiere genossen und meinen, es ist auch eine Reise wert, diesen Genuß nicht zu versäumen.

Fritz Leese, Ehrenmitglied im Verband Deutsche Puppentheater e.V.

Die Sünderin

zu dem Stück

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Mit kleinen Dingen etwas Großes vollbringen

Montag, 16. Oktober 2000

Braunschweiger Zeitung

Das Kasseler „theateren miniature” gewährte mit kleinen Puppen einen großen Einblick in die Theatergeschichte des 20, Jahrhunderts
Liebe zum Detail und Schauspiel: Andrej N. Joukov haucht seinen Figuren Leben ein und entführt den Zuschauer in eine kleine, fantastische Welt.
Zu einem ästhetischen Vergnügen der besonderen Art lud am Sonnabend das Kasserer “theater en miniature” in den Rokoko-Pavillon Stöckheim. Mit dem Stück “Die Sünderin” stellte der Akteur Andrej N. Joukov unter Beweis, dass mit kleinen Gegenständen großartige Dinge zu vollbringen sind und eröffnete gleichzeitig die Theatersaison im Pavillon.
Die Heldin des Stuckes, das im Februar Premiere hatte, ist eine junge Frau, die sich in einer prekären Lage befindet, Allerdings ist die Ursache ihrer offensichtlichen Bedrängnis weniger etrtdetrtig.
Literarische Grundlage des Stückes ist die 1927 geschriebene Groteske “Elisaveta Bam” des russischen Schriftstellers Danfil Charms.
Das Grundthema ist die Angst der Heldin vor einer unbekannten Gefahr. Mit viel Witz und Esprit verstand, es Joukov, als Puppenspieler und Schauspieler die Zuschauer auf eine ironisch-skurrile Reise durch die verschiedenen Formen des Theaters des vergangenen Jahrhunderts zu entführen.
In nicht weniger ate 17 tintereeniedHchen Bühnenbildern und Genres spielte er die Angst der Heldin durch. So ließ er die Miniaturen einmal als Figuren in einer bäuerlichen Komödie auftreten., um sie im nächsten Moment Opfer einer - monumentalen Tragödie werden zu lassen. Ob politisches Theater oder realistisches Melodrama, kaum eine Theaterform, die Joukov nicht präsentierte.
um das Geschehen auf der Buhne besser ver folgen zu können, konnten sich die Zuschauer mit Operngläsern behelfen, die vor Beginn der Vorstel kmg verteilt wütden.
Unter welcher Angst “Die Sünderin” wirklich litt, blieb bis zum Ende, dem großen Opernfinale, ungeklärt, was dem Stück jedoch keinen Abbruch tat. War es doch weniger seine Handlung als die Art und Weise, in der es präsentiert wurde, was den Betrachter in seinen Bann zog und ihm eine köstliche Unterhaltung bescherte.
Die Bühne war eine detaifgenaue Miniatur eines klassischen Theaters mit Rampe Kulissen und einer, ausgefeilten Bühnentechnik. So konnte, der Zuschaucieffitauchen in eine Welt, in der die Dimensionen verschoben sind und in der eine eigentümliche Poesie der kleinen Form entsteht.
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Die Sünderin

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Eine „Sünderin” auf Reise

Montag, 07. Februar 2000

HNA
FIGURENTHEATER
Bäuerliche Komödie, Melodrama und Tragödie - im Dock 4 gab es das alles beim „theater en miniature” auf wortwörtlich engstem Raum.


Wer sich einem ästhetischen Vergnügen der besonderen Art hingeben möchte, dem sei eine Aufführung des „theater en miniature” empfohlen.


KASSEL • Mit dem am Freitag im Dock 4 uraufgeführten Stück „Die Sünderin” stellen die Macher des Projekts, Ellen Heese und Andre] N. Joukov, unter Beweis, dass man mit kleinen Gegenständen ganz großartige Dinge vollbringen kann.
Literarische Grundlage des Stücks ist die 1927 geschriebene Groteske „Elisaveta Bam” des russischen Schriftstellers Daniil Charms. Es ist eine ironisch-skurrile Reise durch die verschiedenen Formen des Theaters des vergangenen Jahrhunderts. Ein Grundthema - die Angst der Heldin vor einer unbekannten Gefahr - wird in 19 unterschiedlichen Bühnenbildern und Genres durchgespielt, unter anderem in Form einer bäuerlichen Komödie, eines realistischen Melodramas oder einer monumentalen Tragödie.
Die Bühne, auf der sich all das abspielt, ist eine detailgenaue Miniatur eines klassischen Theaters mit Rampe, Kulissen und einer ausgefeilten Bühnentechnik. Andrej N. Joukov haucht als Puppenspieler den sorgfältig gearbeiteten „Schauspielern” Leben ein und bewegt ihre Körperteile mitunter durch feingliedrige mechanische Einrichtungen. Der Zuschauer kann eintauchen in eine phantastische Welt, in der die Dimensionen verschoben sind und in der eine ganz eigentümliche Poesie der kleinen Formen entsteht.
Neben den liebevoll gestalteten Gegenständen und einer
Menge absurden Humors fasziniert die „Sünderin” vor allem auf Grund der gelungenen Durchdringung mannigfaltiger künstlerischer Disziplinen. Joukov agiert nicht nur als Puppenspieler, sondern ist zudem Schauspieler, Spielleiter, Toningenieur, Dirigent und Sänger in einer Person.
Der Akzent des russischen Künstlers verleiht dem Ganzen eine authentische Komponente, erschwert jedoch teilweise die Verständlichkeit. Dieses kleine Manko mindert jedoch kaum den Reiz des Stücks, das man wieder am 18., 19. und 20. Februar im Dock 4 bewundern kann.
Rene Schneider
Figurenspieler Andrej Joukov - nur als Hand sichtbar -führt seine „Heldin” durch die Theaterwelt.


Die Sünderin

zu dem Stück

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