Faszinierende Größenwirkung: Andrej N. Joukovs grandioser Bühnenbau
Samstag, 12. November 2005
Im Kleinformat mit eiserner Beleuchtungsbrücke, Scheinwerfern, einer Drehbühneneinrichtung - eine liebevoll zurechtgemachte komplette kleine Theaterwelt.
„Die Sünderin ” vom russischen Meister des schwarzen Humors
Paderborn. Das „Theater en miniature” gastierte im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Im Blickpunkt Russland” in der Stadtbibliothek. Auf dem Programm der kleinen Puppenbühne stand „Die Sünderin”, ein Theaterstück nach Daniil Charms, dem russischen Meister des schwarzen Humors.
Bevor Puppenspieler Andrej N. Joukov in Erscheinung trat, verteilte Ellen Heese vorsorglich Operngläser an das Publikum. Denn Joukovs handgefertigte, bewegliche Gliederpuppen aus Holz und Kupfer an kleinen Stäben, waren so klein, dass ihre ausdrucksstarken Gesichter und Körper in den hinteren Reihen kaum mehr erkennbar waren. Die Puppenbühne: ein grandioser Bühnenbau in Miniaturform, mit eiserner Beleuchtungsbrücke und Drehbühnenvorrichtung —eine liebevoll zurechtgemachte Theaterwelt, die durch die Lupe gesehen, faszinierende Größenwirkung erzielte.
Dagegen blieb das „Theaterstück” eher ein zersplittertes, fragmentarisches Gerüst. Die
Jahrhunderts vor. Hauptfigur und Liebende Elisaveta Bam, alleine in einem großen Raum, fürchtet sich davor, zwei Herren die Türe zu öffnen. Diese klagen sie an, ein Verbrechen begangen zu haben. Diese Episode wurde nun als Oper, als episches Schauspiel, als Zirkusnummer, als
Alleine in einem großen Raum und zwei fremde Herren vor der Tür
Absicht Daniil Charms war es, an Hand einer kleinen „Szene”, die geprägt ist durch die Motive „Liebe” und „Verbrechen”, verschiedene Theatergenres ironisch zu karikieren.
Andrej N. Joukov, der auch als Schauspieler eng mit seinen Figuren und dem Publikum korrespondierte, führte ein Stück Theatergeschichte des letzten
schwarzes Theater, etc., mal mit physiologischem Pathos, mal komisch, mal surreal, mal realistisch demonstriert.
Natürlich wechselten die Dialoge, Verfolger „Peter” wandelte sich zum Bühnentechniker, zwei Liebende schaukelten über einem weißen, zuvor bestreuten Leinentu,ch. Mit Pathos wurden die Szenen zerdehnt und die Komik oder eine berührende Handlung zeigte sich nur klein dosiert in Augenblicken „en miniature”. Beispielsweise als das Liebespaar, gelbe und rote Knetgummi - Strichrriännchen auf einer Glasplatte, begann sich ineinander zu verschlingen, bis sie eine Einheit bildeten, die dann von den Händen Jokovs zu einer Kugel zerdrückt wurde, die er an den Mund führte, hineinbiss und - aber das war nur ein Apfel und ein freudig überraschtes Wiedererkennen für Daniil Charms Liebhaber mit dem skurrilen Humor des Autors. Eine der stärksten Szenen zu einer freien Musik aus einzelnen Töne und schrillen Lauten.
Die differenzierten Bilder, die Visualisierung auf kleinstem Raum, war der überaus gelungene Part des Abends, der das fremd bleibende Lehrtheater positiv übertünchte.
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