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Spaßvogel, Schlingel und Rebell

Samstag, 12. Februar 2011

Das „Theater en miniature“ erzählt im Haus Catoir die Geschichten des ewigen Schalks Till Eulenspiegel
VON SIGRID LADWIG

Bad Dürkheim. Ein Schalk und Schlingel, ein Spaßvogel, Rebell oder Taugenichts – von Till Eulenspiegel kann man viele Bilder und Meinungen haben. In einem aber waren sich die kleinen und großen Zuschauer, die gestern ins Haus Catoir gekommen waren, ganz sicher einig: Wie das Heidelberger „Theater en miniature“ sein Stück „Till Eulenspiegel“ auf die Bühne bringt, ist für alle ein großes Vergnügen.

Die Inszenierung für Kinder ab sechs Jahren packt das Geschehen in eine Mischung aus Figurenspiel und komödiantischem Maskentheater in Form der commedia dell’arte. Die beiden Bühnenakteure Ellen Heese und Andrej Uri Garin treten also zum einen als Figurenspieler auf, zum anderen als wandernde Schauspieler, die auf Marktplätzen Theater spielen.

Ein Schalk wird geboren: Ellen Heese und Andrej Uri Garin schicken Till in die Welt.

Ein Schalk wird geboren: Ellen Heese und Andrej Uri Garin schicken Till Eulenspiegel in die Welt.


Allein wie sie sich im Handumdrehen in die gegensätzlichen Charaktere von „Zack“ und „Zanni“ verwandeln, indem sie ihre ausdrucksvollen, ledernen Masken aufziehen, ist für das junge Publikum ein Erlebnis. Sofort wird klar: Die zwei auf der Bühne sorgen für knisternde Spannung, indem sie sich immer wieder miteinander anlegen. Während Zack, überzeugend gespielt von Andrej Uri Garin, das Kommando führen will, ist Zanni, in dessen Rolle Ellen Heese glänzt, der unerschrocken hinterfragende Zweifler und Spötter. Geschickt erzielt die Regie von Jürgen Flügge im Wechsel zwischen Schauspiel und Puppentheater eine interessante Mehrschichtigkeit. Während die Maskenspieler eben noch über Moral debattieren, geht die Geschichte Till Eulenspiegels auch schon los: Köstlich gelingt die Szene von Tills Geburt. Ein paar Schreie der werdenden Mutter und Handgriffe mit der geknüllten Schürze und schon liegt ein gewindeltes Paket in ihrem Arm, das ordentlich plärrt. Die Besetzung von Vater und Mutter zeigt das „Theater en miniature“ auf lustige Weise „andersherum“. So können sich die Zuschauer über Garin als Tills Mama amüsieren, die mit ihrer Trunkenheit dafür sorgt, dass ihr Sohn gleich dreimal getauft wird.
Ellen Heese wiederum beeindruckt in Szenen wie der vom dahinscheidenden Vater: Wie sie dessen Herzversagen sehr lebensnah spielt und dann mehrfach die Wirkung aufhebt, indem sie auf eine andere Ebene wechselt – „muss ich schon sterben?“ — das ist große Klasse. Aus dem handlichen Windelpaket ist auf der Bühne schnell ein halbwüchsiger Schlingel geworden – die gelenkige Figur des Till hat wie die anderen Puppen Andrej Garin aus Lindenholz geschnitzt. Als Till auf Wanderschaft geht und sich bei Schmied und Schuster als Geselle versucht, werden Anklänge ans Kasperletheater eingearbeitet. Die Kinder erleben die folgenden Schelmereien mit Spannung und Vergnügen. Löblich, dass die Inszenierung das allzu Herbe und Derbe aus der Textvorlage herausnimmt. Immerhin verdrießt der Eulenspiegel aus dem Volksbuch seine Zeitgenossen beharrlich mit seinen Ausscheidungen und zeigt sich gegenüber Mensch und Tier recht grausam. Die Kinder lernen seine angenehmere Seite kennen, nämlich Till als witzigen Schelm mit roter Narrenkappe, der sich auch von einem König nicht einschüchtern läßt.
Wenn du gestern das Kindertheaterstück über Till Eulenspiegel gesehen oder darüber gelesen hast, fragst du dich vielleicht, ob dieser Junge wirklich einmal gelebt hat. Echte Beweise dafür hat man nicht gefunden. Doch seine Geschichte wird in einem alten Volksbuch überliefert. Dort wird berichtet, dass der Junge im Jahr 1300 in der Nähe von Braunschweig zur Welt kam, auf den Namen Till getauft wurde und seine Mitmenschen bald mit Streichen an der Nase herumführte. Geschrieben wurde dieses Buch aber erst 200 Jahre nach den geschilderten Ereignissen. Da kann man natürlich mit Recht bezweifeln, ob der Verfasser des Buches die Wahrheit so genau gekannt hat. Übrigens weiß man nicht einmal genau, wer es geschrieben hat, weil der Urheber sich im Buch nur mit einigen Buchstaben verrät. Jedenfalls ist Till in den Geschichten ein ziemlicher Faulpelz, der nichts richtig arbeiten will. Der
Schlingel hat vor nichts und niemandem Respekt. Aber mit seinen teils derben, teils schlauen Schelmereien hält er den Leuten eine Art Spiegel vor, in dem sie ihre eigenen Schwächen und Fehler erkennen können. Auf den meisten Abbildungen wird Till mit einer Narrenkappe dargestellt, an der klingelnde Schellen hängen. Narren konnten sich in früheren Zeiten so ziemlich jede Frechheit erlauben, sogar gegenüber mächtigen Personen wie Königen. Tills besonderer Trick: Er nahm wörtlich, was die anderen gar nicht so meinten, und setzte die Worte in die Tat um. Seine Streiche weckten die Neugier der Leute und so wurden sie weiter erzählt. Schadenfreude spielte dabei eine große Rolle. Zwar würden heutige Psychologen einen Jungen wie Till sicher verhaltensgestört nennen. Aber die Menschen sind heute nicht weniger schadenfroh als damals. Gerade die Sendungen im Fernsehen, in denen Leuten Mißgeschicke passieren oder wo sie sich blamieren, werden von vielen Zuschauern eingeschaltet. (lad)


Till Eulenspiegel

zu dem Stück

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Keine Angst vorm Grüffelo

Montag, 18. Oktober 2010

Gaggenau. 90 kleine und große Zuschauer ließen sich von Puppenspielerin Ellen Heese und ihren Figuren in der zum überdimensionalen Sofa verwandelten Stadtbibliothek Gaggenau verzaubern.
Sie fieberten mit der kleinen Maus, die keinen Freund hat, der sie vor der Gefahren des Waldes schützt und deshalb den Grüffelo erfindet. Diesen vermag die kleine Maus so grässlich zu beschreiben, dass sie damit Fuchs, Schlange und Eule in die Flucht schlägt.
Als das ausgedachte Untier auf einmal wirklich auftaucht, steht es schlecht um die kleine Maus. Aber eine clevere kleine Maus kann auch einem echten Grüffelo das Fürchten lehren.
Obwohl die Geschichte jedem Kind bekannt war, verfolgten die Zuschauer das Geschehen mit großer Aufmerksamkeit. Kein Wunder - auf der Bühne war was los. Sie verwandelte sich in einen liebevoll ausgestatteten Spielraum in dem die Spielerin mit ihrer flexiblen Stimme die verschiedenen Tiere zum Leben erweckte. Die kleinen Zuschauer schlossen die schlaue Maus sofort ins Herz, bangten um sie, als Fuchs, Schlange und Eule sie fangen wollten und freuten sich mit ihr über ihre klugen Einfälle. Als schließlich der gefürchtete
Grüffelo tatsächlich auftauchte, wurde es mucksmäuschenstill im Saal. Die Kinder hielten den Atem an bis sie erleben durften, wie die Maus auch diesen Feind am Ende in die Flucht schlug. Es gab einen großen Applaus für die clevere Maus und das schöne und spannende Theaterstück vom theater en miniature aus Heidelberg.

Grueffelo

Grueffelo


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Kreative Figuren gefallen nicht nur den Kleinen

Donnerstag, 29. Oktober 2009

Stadtbücherei: Theater „en miniature” spielte für Kinder „Wie Findus zu Pettersson kam”

Die Stadtbibliothek Hockenheim öffnete ihre Türen für zahlreiche in­teressierte Kinder und deren Eltern. Das in Leimen beheimatete Theater „en miniature” führte an diesem Nachmittag das Stück „Wie Findus zu Pettersson kam” nach dem gleichnamigen Buch von Sven Nordquist auf.
Die Aufführung wusste durch ein gekonntes Bühnenbild und kreative Figuren zu gefallen. Kinder und El­tern waren restlos begeistert von dem lustigen und herzergreifenden Theaterstück. Die Zuschauer erfuh­ren, wie der grummelige und einsa­me Pettersson sich mit dem kleinen Kater Findus zusammenraufte, der in einem Paket zu ihm geschickt wurde. Pettersson erkannte bald, dass dieser Kater ein ganz besonde­rer Kater war, denn er konnte spre­chen.
Der gelernten Schauspielerin und Puppenspielerin Ellen Heese gelang es ohne Mühe, die zahlreich erschie­nen Kinder und Eltern in ihren Bann zu schlagen und so in das Spiel hi­neinzuziehen. Beeindruckend das sprachliche und stimmliche Ausdrucksvermögen bei den verschiedenen Puppen. Die Puppen, ja das ganze Bühnenbild, waren eine einzi­ge Augenweide. Die Figuren hatten einen hohen Wiedererkennungswert zu den Darstellungen im Buch. Viel zu schnell war nach rund ei­ner Stunde das Abenteuer zu Ende und ein begeistertes Publikum ver­ließ die Stadtbibliothek.