Puppenspiel ist alles andere als kinderleicht
Freitag, 13. November 2009Puppenspiel ist alles andere als kinderleicht
Profi-Puppenspielerin Ellen Heese hat auch schon „Klinik-Clowns” weitergebildet, die kranken Kindern Freude bereiten
Freitag, 13. November 2009
Von Karin Katzenberger-Ruf
Leimen/Rhein-Neckar. „Ich habe die Lust am Spielen nie verloren”, sagt Ellen Heese. Die Puppenspielerin, die mit ihrem Mann beziehungsweise mit dem „Theater en miniature” oft auf Tour ist, will nun etwas sesshafter werden. In Leimen hat die Familie, zu der auch ein 14-jähriger Sohn gehört, ein neues Domizil gefunden und dort vor einigen Monaten das „Seminarhaus Szenario” eröffnet.
Ein erstes Seminar unter dem Motto „Die Puppe als Partner” ging bereits erfolgreich über die Bühne. Weitere Seminare folgen im nächsten Jahr. Vor Weihnachten werden die professionellen Puppenspieler viel unterwegs sein. Ellen Heese, Jahrgang 1960, ist in Niedersachsen geboren, studierte Sozialpädagogik, war aber schon seit ihrer Studienzeit begeisterte Puppenspielerin und hat ihr Hobby zum Beruf gemacht.
Jahrelang agierten sie und ihr Mann, der als gebürtiger Russe seine Ausbildung noch im Osten absolvierte, von Kassel aus. Aber offenbar ist rund um Heidelberg kulturell inzwischen mehr los. Da bot es sich an, nach Leimen zu ziehen. Just in jenes Haus, wo bis dahin die buddhistische Gemeinde ansässig war.
Für den Termin mit der RNZ hat Ellen Heese schon mal was vorbereitet: Der alte Petersson und sein Kater Findus stehen bereit, dazu die Hühner von dessen Bauernhof und ein paar Märchenfiguren samt Froschkönig, der auch ohne Krönchen total niedlich ist, wenn Ellen Heese ihm ihre Stimme leiht und ihn mit ein paar Fingerübungen zum Leben erweckt. Solche einfache Figuren sind es, die in Kinder-gärten, Altenpflegeheimen oder auch in anderen Einrichtungen die Stimmung richtig aufmischen können. Ein fröhlicher oder ein trauriger Frosch: Das geht immer direkt ins Herz.
Die Fortbildungsveranstaltungen, die im „Seminarhaus Szenario” angeboten werden sollen, richten sich auch an Menschen, die in sozialen Berufen tätig sind. Sei es im Kindergarten oder im Altenpfle¬geheim. Sogenannte „Klinik-Clowns” hat Ellen Heese, die schon seit fünf Jahren Seminare anbietet, bereits weitergebildet. Sie weiß: Die kleinen Patienten, die oft eine monatelange Leidensgeschichte hinter sich haben, reagieren gut auf das Puppenspiel. Dies auch, weil sich auf Puppen „alle Gefühle übertragen lassen”, wie sie sagt. Das Prinzip funktioniert übrigens auch bei Demenz-Erkrankten. Von Kindheit an war Ellen Heese ein Fan der „Augsburger Puppenkiste”. Bei einem Seminar im nächsten Frühjahr sind bei ihr nun Akteure von dort zwecks „Stimmschulung” zu Gast. Puppenspiel ist nicht kinderleicht, sondern erfordert zwecks Bühnen-Präsenz höchste Konzentration. Auch das werden die künftigen Kursteilnehmer im „Seminarhaus Szenario” lernen. Auch wenn sie nicht auf die Bühne wollen, sondern sich einfach für ihren Berufsalltag weiterbilden.
Und wie sehen die „Seminar-puppen” aus? Das sind erst mal sackförmige Figuren mit zwei Knopf augen, mit denen spielerisch so ziemlich alles möglich ist. Selbst Susi, die rote Socke, taugt als erste Handpuppe. Bei den Seminaren im „Institut für Puppenspielkunst” sind Wochenend-Veranstaltungen unter dem Motto „Märchenhaft erzählen” im Programm.
Und wie dürfen wir uns das Familienleben der Puppenspielerfamilie vorstellen? Nur soviel: Der 14-jährige Sohn wurde mit der sprechenden Zahnbürste groß, war mit Gute-Nacht-Geschichten stets bestens bedient und hat sich auch bei langen Autofahrten nie gelangweilt.